Wilfried Müller

Jahrgang 1940
Lehrer a.D. für Mathematik, Physik und Informatik

Beschäftigung mit künstlerischer und experimenteller Fotografie seit 1986

Vorsitzender der Region Berlin / Brandenburg / Mecklenburg-Vorpommern
des Deutschen Verbandes für Fotografie (DVF) von 1999 bis 2005

EFIAP (Excellence de la Fédération Internat. de L'Art Photographique) seit 1997
Norddeutscher Fotomeister des DVF 1998
Mitglied der Ehrenloge Deutscher Amateurfotografen der Zeitschrift Color Foto seit 1999
Preisträger beim Kodak-Wettbewerb "Aus dem Leben gegriffen" 1999
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) seit 2000
Fotograf des Jahres 2003 der Zeitschrift fotoMAGAZIN
MDVF (Meister des DVF) seit 2011
1. Platz beim Monatswettbewerb der Zeitschrift fotoMAGAZIN mit dem Thema "Ihre besten Urlaubs-Bilder" 2016

Zahlreiche Veröffentlichungen in Fotozeitschriften und Auszeichnungen bei internationalen Fotowettbewerben

Teilnahme an einer Wanderausstellung 1990 durch die USA mit dem Thema „Fall der Mauer in Berlin"

Diverse Einzel- und Gruppenausstellungen seit 1991 überwiegend mit den Themen "Sport" und "Landschaften"

 

Ist Landschaftsfotografie Kunst? Ist dokumentarische Fotografie Kunst?

Puristen sind der Meinung, dass eine Fotografie nur dann Naturfotografie genannt werden darf, wenn sie nicht durch irgendeine Bearbeitung oder gar Manipulation verändert wurde. Naturfotografie - Landschaften oder Tiere - muss in deren Augen also immer dokumentarisch sein. Die Betreiber von "The Art of Wild" stellen 16 Kriterien auf, damit eine Naturaufnahme in ihre Galerie als Kunstobjekt aufgenommen wird. Originalgetreue Dokumentation ist hier eher ein Ausschlusskriterium.

All diese theoretischen Überlegungen spielen keinerlei Rolle, wenn ich mich in die Natur begebe. Für mich stehen der Aufenthalt, die Erlebnisse und die Emotionen im Vordergrund. Natürlich nehme ich die Kamera und meistens auch ein Stativ mit. Ich war z.B. morgens um 5.00 Uhr mit dem Auto auf einem - selbstverständlich erlaubten - Waldweg in der Uckermark unterwegs. Plötzlich sah ich links vor mir eine Bache mit vielen Frischlingen. Ich hielt an und bemerkte auch rechts eine Bache mit ihren Jungen. Ich hatte sie durch meine Autofahrt getrennt. Sie warteten, dass ich weiterfahre, damit sie sich wieder vereinigen können. Ich wartete und bestaunte mit großen Augen das Naturschauspiel. Die Kamera lag neben mir auf dem Beifahrersitz - ich hatte sie nicht angerührt.

Islands vielfältige und großartige Landschaft war schon immer ein Sehnsuchtsort für mich. Beeindruckend sind die grünen Wiesen, die blauen Eisberge, die rote und schwarze Lava und die Farbenvielfalt der Solfataren. Hier liegen die unterschiedlichsten Landschaftsformen dicht beieinander. Im Sommer, wenn man normalerweise schon ans Schlafen denkt, noch einmal ins Freie zu gehen, weil es noch hell ist; im Winter, wenn es kaum hell wird, abends zu erleben, dass sich endlich die Wolken verziehen und das Nordlicht am Himmel sichtbar wird, das sind schon besondere Erlebnisse.

Tiefhängende Wolken in den Bergen und wabernder Nebel haben einen besonderen Reiz für mich. Ich finde es faszinierend, wenn plötzlich ein Berggipfel aus den Wolken auftaucht oder zurückweichender Nebel den Blick auf ein Tal freigibt. Es ist spannend anzusehen, wenn der Passatwind auf der kanarischen Insel La Palma den Nebel durch den - zum Teil sehr spärlichen - Kiefernwald treibt. Im Nordosten von La Palma konnte ich, durch eine Kaimauer geschützt, anrollende Atlantikwellen beobachten. Im Süden bin ich stundenlang durch das schwarze Lavafeld - an Mondlandschaften erinnernd - des 1971 ausgebrochenen Vulkans Teneguia gewandert. Einige wenige Pflanzen haben sich schon wieder ausbreiten können.

Die kanarischen Inseln haben alle ihren eigenen Charakter. Auf Fuerteventura fand seit einigen tausend Jahren kein Vulkanausbruch mehr statt. Mich beeindruckt die weiträumige Landschaft mit den meist abgerundeten Bergen, die überwiegend hellrot, braun und ocker getönt sind. Bis auf vereinzelte Palmenhaine gibt es keine Baumbestände. Im Süden der Insel kann man innerhalb weniger Kilometer zwischen den goldgelben Sandstränden im Osten, wüstenähnlichen Landschaften in der Mitte und den stark zerklüfteten Steilküsten im Westen wechseln. Die Lagune im Osten mit ihren kräftigen Farbabstufungen vom goldgelb des Sandes über hellgrün bis dunkelblau des Wassers hat mich dazu angeregt, mit den Farben zu spielen und auf eine gegenständliche Abbildung zu verzichten.

Wasser übt immer eine große Anziehungskraft auf mich aus, ob es das Meer ist, die großartigen Wasserfälle in Island oder nur ein kleiner Gebirgsbach in der Schweiz. Durch verschieden lange Belichtungszeiten gelingt es mir, die unterschiedlichen Eigenschaften und Wirkungen des Wassers darzustellen.

Heranziehende Wetterfronten oder auch Auf-und Untergänge der Sonne - die Natur kann sehr kitschig sein - zu erleben, hat auch einen besonderen Reiz.

 „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“. Bei all meinen vielen Aufenthalten in der Natur hat mir die Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn auf den Brocken eins der aufregendsten Erlebnisse beschert. Im Januar 2012 erreichte ich morgens das schneelose und wenig windige Wernigerode und fuhr anschließend mit dem Dampfzug zum Brocken. Nach ungefähr 2 Stunden empfing mich dort ein orkanartiger Schneesturm und dichter Nebel. Die Schneehöhe betrug 1,50 m. Der Zugbetrieb wurde für den Rest des Tages eingestellt. Bei meinen kurzen Wanderungen habe ich nur noch die Farbe Weiß gesehen. Ich kam mir vor wie auf einer Expedition zum Südpol.

Ich kenne die Gestaltungsregeln und die unzähligen Ratschläge aus den Fotoheften, wie man gute und noch bessere Naturaufnahmen macht. Natürlich spielen sie bei meinen Aufnahmen eine Rolle. Mir ist es wichtig, ein Foto so zu gestalten, dass ich meine Emotionen und meine Gefühle, die mich in dem Augenblick in der Natur bewegten, im Bild wiederfinde. Wenn die Fotos so gut sind, dass sie auch auf unbeteiligte Betrachterinnen und Betrachter ihre Wirkung nicht verfehlen, dann freut es mich umso mehr. 

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